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Info zum Modellprojekt

Psychologische Beratung an Schulen

 

Die IJN möchte einer Schule in Neuruppin psychologische Beratung für die Jugendlichen und deren Familien anbieten.

 

Grundidee des Angebots ist es, Eskalationen von Konflikten, sowie dem Auftreten von psychischen Störungen vorzubeugen und somit das Schulklima positiv zu beeinflussen.

 

Immer mehr Kinder und Jugendliche werden psychisch auffällig. In dem bundesweit repräsentativen Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS)[1] zeigten zum Beispiel 14,7% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 – 17 Jahren Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. 21,9% zeigten Symptome von Essstörungen. Bei 4,8% wurde schon einmal ein Aufmerksamkeitsdefizit - Hyperaktivitäts-Syndrom diagnostiziert.

 

Experten haben verschiedenste Hypothesen zu den Ursachen der steigenden Raten an psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen aufgestellt, wie beispielsweise veränderte familiären Strukturen (Trennung und Scheidung, Patchworkfamilien), wachsender Leistungsdruck oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen (Überbelastung von Lehrern, wenig Unterstützung für Alleinerziehende, veränderte Freizeitgestaltung, schlechtere Ernährung durch fast-food).

 

Es ist davon auszugehen, dass mehrere Faktoren für die Zunahme an psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter verantwortlich sind, wobei eine erhöhte Sensibilität für dieses Thema in der Gesellschaft sowie ein umfangreicheres Therapieangebot vermutlich ebenso zu steigenden Fallzahlen beitragen.

 

Das Modellprojekt „Psychologische Beratung an Schulen“ hat sich jedoch nicht zur Aufgabe gesetzt Gründe dafür herauszufinden, sondern durch ein niedrigschwelliges und  professionelles Beratungsangebot für Jugendliche und ihre Familien erfolgreiche Präventionsarbeit zu leisten BEVOR sich psychische Störungen entwickeln.

Die Diplom-Psychologin und systemische Familientherapeutin (i.A.) Stephanie Groitzsch bietet kostenlos in der Schule systemische Beratung für Jugendliche an.

 

Den Schülern werden organisatorische und emotionale Hürden genommen, wenn sie sich direkt in der Schule bei auftretenden Problemen an eine ihnen bekannte Psychologin wenden können. 

 

Konzeptidee

Die lösungsorientierte psychologische Beratung wird direkt vor Ort in den Schulräumen und mit Wahrung der Anonymität angeboten, wodurch es den Jugendliche erleichtert wird in Problemsituationen einen professionellen Rat einzuholen.

 

Negative Vorurteile und Stereotype bezüglich des Psychologenberufes, welche meist verhindern Hilfe in Krisensituationen frühzeitig aufzusuchen, sollen durch eine persönliche Vorstellung der Psychologin in den Klassen und der Erklärung ihrer Arbeitsweise abgebaut werden.

 

Da im Gegensatz zu Vertrauenslehrern eine externe Person, welche der gesetzlichen Schweigepflicht unterliegt, die Schüler berät, können des Weiteren Stigmatisierungsängste bei den Jugendlichen verringert werden und somit dazu beitragen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, bevor es zu (gewaltsamen) Eskalationen von Konflikten, Schulverweigerung oder der Entstehung von psychischen Störungen, wie Drogenmissbrauch, dissozialem Verhalten, Depressionen, Schulphobie, schwere Ängste etc., kommt.

 

Das Angebot richtet sich auf freiwilliger Basis einmal wöchentlich vormittags an die Schüler, welche kostenfrei davon Gebrauch machen können.

 

Die angebotene psychologische Beratung (keine Psychotherapie) ist lösungs- und ressourcenorientiert und regt die Hilfe zur Selbsthilfe an. Selbstwert und Selbstwirksamkeitserwartung der Jugendlichen werden gestärkt und durch Perspektivenwechsel können sie neue Lösungsideen entwickeln und eigenständig umsetzen.

 

Ist eine umfangreichere (Familien-) Beratung indiziert, besteht die Möglichkeit diese im Informations- und Beratungszentrum (IBZ) kostenfrei in Anspruch zu nehmen.

 

Hintergrund zur Entstehung des Konzeptes sind die positiven Ergebnisse des Modellprojektes in Italien, das die Psychologin im Jahr 2011 sehr erfolgreich in Catania durchführte.

 

In der Zeit von Februar bis Mai 2011 konnte dieses Projekt dank der finanziellen Förderung durch die Region Sizilien vier Stunden pro Woche realisiert werden. 

 

Das Angebot wurde zahlreich in Anspruch genommen. Insgesamt wurden 35 Jugendliche (19 Mädchen, 16 Jungen) im Alter von 11 bis 16 Jahren beraten. Die Schule lag in einem „sozialen Brennpunkt“ Catanias mit einer hohen Rate an Kriminalität und Einkommensarmut.

 

Die Beratung wurde nach dem Prinzip der Lösungsorientierung ausgerichtet, da durch die kurze Dauer der Finanzierung nur wenige Kontakte möglich waren.

 

Die Ergebnisse der anschließenden Evaluation mittels anonymisierten Fragebögen ergab eine sehr hohe Zufriedenheit unter den Jugendlichen (siehe Grafik.)

 

 

„Wie zufrieden warst du mit der Beratung der Psychologin?“

 

 

                        1= sehr        2 = ausreichend    3 = kaum      4 = gar nicht

 

  

„Würdest du gern wiederkommen?“

 

 

                    1 = ja         2 = vielleicht        3= nein

 

Die Fokussierung auf die Aktivierung von persönlichen und sozialen Ressourcen der Jugendlichen half ihnen neue Lösungsideen für ihre Probleme zu entwickeln und sich weiter zu entwickeln. Sie lernten, dass es „keine Schande“ ist, sich in schwierigen Situationen professionelle Unterstützung zu holen, was als nützliche Copingstrategie für die erfolgreiche Bewältigung in schwierigen Lebenssituationen gilt.

 

Die angeregte Hilfe zur Selbsthilfe, der entstandene Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit sowie die Stärkung des Selbstbewusstseins verhalfen den Schülern neue Handlungsalternativen zu entdecken und diese zuversichtlich auszuprobieren.

 

Als Vorschläge für die Verbesserung des Angebots nannten die Schüler:

  • die Möglichkeit jemanden (Familienangehörige, Freunde) mitzubringen
  • mehr Sitzungen zu machen

 

Zielgruppen

 

Schüler: Die psychologische Beratung bietet den Jugendlichen einen geschützten Raum in dem ihnen zugehört wird, ohne dass man über sie urteilt. Durch eine wertschätzende und lösungsorientierte Beratung können sie neue Perspektiven und Ideen zu ihren Schwierigkeiten, Zweifeln und Gefühlen entwickeln. Im Gespräch werden gemeinsam mit der  Psychologin nach versteckten und neuen Ressourcen gesucht und diese aktiviert, wodurch der Schüler dazu angeregt wird, selbst die für ihn nützlichste Lösung zu finden. Außerdem wird das Blickfeld für weitere Unterstützungsmöglichkeiten im familiären und sozialen Umfeld erweitert um langfristig effektive Problemlösungsstrategien zu entwickeln.

 

Eltern

Die Familie kann sich ebenso kostenfrei in der Schwangeren-, Erziehungs-, und Familienberatungsstelle des IBZ zur Beratung anmelden. Hier können Eltern zum Beispiel auftretende Ängste und Zweifel bezüglich der seelischen Entwicklung ihres Kindes äußern ohne dafür bewertet zu werden.  Sie werden in ihrer elterlichen Präsenz gestärkt und eine neue Art der Autorität durch Beziehungsgestaltung wird entwickelt.

 

Ziele

Wir haben uns zum Ziel gesetzt psychischen Störungen vorzubeugen und Konflikteskalationen zu verhindern. Die Familie und andere Personen des sozialen Umfeldes sollen wieder mehr als unterstützende Ressource erfahren werden, um eigenständig langfristig effektive Lösungsstrategien zu entwickeln. Die Verbesserung des psychischen Wohlbefindens der Einzelnen soll darüber hinaus zu einer Qualitätssteigerung des Schulklimas beitragen.

 

Spezifisch für die Jugendlichen bedeutet das, ihre Ressourcen zu aktivieren um nützliche Copingstrategien zur Problembewältigung zu entwickeln. Durch einen höheren Selbstwert und eine größere Selbstwirksamkeitserwartung können sie neue Lösungsmöglichkeiten ausprobieren. Sie erlernen die Fähigkeit Perspektiven zu wechseln und mehr Empathie zu entwickeln, wodurch Emotionen besser beurteilt und reguliert werden können.

 

Die Eltern können durch eine präsentere Haltung in der Erziehung befähigt werden ihre Kinder emotional besser in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen. Ihre elterliche Autorität erlangt durch eine veränderte Beziehungsgestaltung eine neue Qualität. Die intrafamiliäre Kommunikation soll dahingehend positiv beeinflusst werden, dass  nützliche Lösungen gemeinsam gefunden werden.

 

Negative Vorurteile und Stereotype bezüglich des Psychologenberufes, welche meist verhindern Hilfe in Problemsituationen frühzeitig auszusuchen, sollen durch eine persönliche Vorstellung der Psychologin in den Klassen und der Erklärungen ihrer Arbeitsweise abgebaut werden.

 

Da im Gegensatz zu Vertrauenslehrern eine externe Person, welche der gesetzlichen Schweigepflicht unterliegt, die Schüler berät, können Stigmatisierungsängste bei den Jugendlichen verringert werden und somit dazu beitragen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, bevor es zu einer (gewaltsamen) Eskalation von Konflikten, Schulverweigerung oder der Entstehung von psychischen Störungen (Drogenmissbrauch, dissoziales Verhalten, Depressionen, Schulphobie, schwere Ängste etc.) kommt.

 

Wenn ein Anliegen im Rahmen des Angebots nicht angenommen werden kann (z.B. psychotherapeutischer Bedarf, Sucht, Missbrauchserfahrungen) kann auf ein großes Netzwerk an Hilfeangeboten zurückgegriffen und an die entsprechende Stelle weitervermittelt werden.

Grundsätze - Leitbild

Der Arbeit der IJN. e.V. liegt ein ganzheitliches Menschenbild – unabhängig von Konfession, Kultur, Nationalität, Bildungsstand und sexueller Orientierung zu Grunde. Wir achten den Menschen in seiner persönlichen Gesamtheit und fühlen uns der Wahrung seiner Würde und Integrität verpflichtet. Ausgehend von diesem Menschenbild sehen wir den Einzelnen im Kontext seiner Familie, Umfeldes und des vorhandenen Hilfesystems. Unsere Grundhaltung ist gekennzeichnet durch das Annehmen des Klienten und seines Familien- und Bezugssystems.

Rahmenbedingungen

Das Angebot richtet sich auf freiwilliger Basis vormittags einmal wöchentlich für vier Stunden an die Schüler, welche kostenfrei davon Gebrauch machen können. Die lösungsorientierte Beratung wird direkt vor Ort in den Schulräumen und mit Wahrung der Anonymität angeboten, wodurch organisatorischen Hürden für die Jugendlichen verringert werden und es ihnen somit erleichtert wird in Problemsituationen einen professionellen Rat einzuholen.

 

Schüler

Das Angebot richtet sich an alle Schüler der Klassen (7 – 13) und umfasst vier Stunden pro Woche während der Unterrichtszeit. Die Anmeldung erfolgt anonym.

Der Jugendliche/die Jugendliche wird von der Psychologin an einem vorher nicht bekannten Termin eingeladen, damit ein Schulschwänzen zu bestimmten Fächern vermieden wird. Dies erfolgt ebenfalls auf anonymen Weg.

Die Beratung dauert ca. 45 Minuten und kann je nach Anliegen zwischen ein und drei Terminen dauern.

Eltern

Die kostenfreie und freiwillige Elternberatung wird im IBZ - Informations- und Beratungszentrum Neuruppin, in der Erziehungs- und Familienberatungstelle, Heinrich – Rau - Str. 30, 16816 Neuruppin angeboten. Die Eltern können sich persönlich oder telefonisch anmelden (Tel. 03391 2454). Die Eltern- oder Familienberatung dauert ca. 60 Minuten und kann je nach Anliegen zwischen ein und zehn Terminen dauern.

Art der beratung

Systemisch-lösungsorientierte Beratung (keine Therapie!) von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern durch eine Diplom-Psychologin, Familientherapeutin i.A. Hauptmerkmale der Beratung sind ein radikal lösungsorientiertes Vorgehen, wertfreies Zuhören und Ressourcen aktivierende Techniken.

 

Durchführung

Frau Dipl.-Psych. Stephanie Groitzsch, systemische Beraterin (IFW), Familientherapeutin i.A., integrative Lerntherapeutin (F.i.L.).  Jahrgang 1985, Abschluss in Psychologie mit Auszeichnung an der Universität Potsdam im Jahr 2009. Dreijährige Erfahrung im Bereich Kinder- und Jugendlichenberatung, integrativer Lerntherapie und systemischer Familienberatung in Deutschland und Italien.

Ergebnisqualität

Nach Ende der Beratungsphase werden die Schüler mittels eines Kurzfragebogen in anonymisierter Form nach ihrer Zufriedenheit mit dem Angebot befragt. Ein Kurzbericht über die Ergebnisse wird dann der Schule zur Verfügung gestellt.

Benötigter Raum

 

In der Schule

Ruhiger und möglichst schalldichter Raum, ansprechend gestaltet

Zwei gemütliche Stühle, kleiner Tisch

 

 



[1] Schlack,  R., Kurth, B., Hölling, H (2008) Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Daten aus dem bundesweit repräsentativen Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung, Umweltmed Fosch Prax 13 (4), S. 245-260